
Wirtschaftsprüfer werden – Die Studienwege
Die Wirtschaftsprüfung ist ein akademisches Berufsfeld. Ohne abgeschlossenes Studium ist der Weg zum Wirtschaftsprüfer nur mit erheblichem Zeitaufwand (über 10 Jahre Berufserfahrung) zu bewältigen. Welche Möglichkeiten gibt es, um sich frühzeitig auf eine solche Karriere vorzubereiten oder wie kann man sich nach einem abgeschlossenen Erststudium noch per Masterstudium für die Wirtschaftsprüfung qualifizieren? Im Nachfolgenden werden die potenziellen Studienwege aufgezeigt.
Das Erststudium: Früher Diplom, jetzt Bachelor
Rund 3/4 der heutigen Wirtschaftsprüfer haben ein wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen. Das verwundert nicht, denn wer kein Interesse an ökonomischen Zusammenhängen hat, wird sicherlich keinen Beruf wählen, der sich zu großen Teilen mit der Analyse von Zahlen, von Unternehmen und wirtschaftlichen Zusammenhängen beschäftigt.
Bevor aufgrund der Bologna-Reform die europaweite Umstellung der Studienabschlüsse auf das zweistufige Bachelor-Master-System begann, war der Diplomabschluss das Regelkriterium, um eine Laufbahn als Wirtschaftsprüfer zu starten. Zudem gab es recht wenige grundständige Studiengänge, die sich nur mit dem Thema Steuern und Wirtschaftsprüfung, auseinandersetzten. Die meisten Hochschulabsolventen hatten ein Studium der Betriebswirtschaftslehre, ergänzt um eine Schwerpunktsetzung in diesem Bereich, abgeschlossen.
Mittlerweile werden an deutschen Hochschulen zahlreiche Bachelor-Studiengänge angeboten, die sich speziell mit Inhalten der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung beschäftigen. Einen Überblick über diese Studiengänge finden Sie in unserer Datenbank. Aber auch Studiengänge wie Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsrecht oder Controlling haben nach wie vor ihre Berechtigung und können als Grundstock für die spätere Karriere als WP genutzt werden.
Zudem sind in den letzten Jahren neben den „normalen“ Vollzeitstudiengängen auch duale Angebote, z.B. an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, entstanden. Hierbei wird die Ausbildung in einem Betrieb mit einem speziell konzipierten Studium verbunden. In einem dualen Studium absolviert der Auszubildende bzw. Studierende abwechselnd drei Monate im ausbildenden Unternehmen und drei Monate in der Hochschule.
Das Zweitstudium: Master
Es gibt verschiedene Wege, um zum Wirtschaftsprüferexamen zugelassen zu werden: Wer ein Diplom- oder Bachelor-Studium von sieben Semestern oder weniger Regelstudienzeit absolviert hat, der muss vier Jahre Praxiserfahrung sammeln, bevor er zur Prüfung zugelassen wird. Bei einem Studium mit Regelstudienzeit von mindestens acht Semestern werden drei Jahre Berufserfahrung verlangt. Zudem belegt man (wahrscheinlich) in der Vorbereitung für das Examen Vorbereitungskurse bei einem der verschiedenen Anbieter. Im Examen muss man dann sieben Prüfungen ablegen.
Wer die Zahl der Prüfungen im Examen reduzieren will, der kann einen nach §8a der Wirtschaftsprüfungsordnung (WPO) anerkannten Master absolvieren. Ausführliche Informationen zu diesem Studienweg sind hier bereitgestellt. Der Master nach §8a verringert die Prüfungslast im Wirtschaftsprüferexamen von sieben auf vier Klausuren, weil die an der Hochschule bestandenen Klausuren in Angewandter Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre sowie Wirtschaftsrecht angerechnet werden.
Darüber hinaus gibt es noch weitere Master-Studiengänge, die auf eine Tätigkeit in der Wirtschaftsprüfung vorbereiten, und nach §13b der WPO anerkannt sind. Auch diese Studiengänge eignen sich als Vorbereitung auf das WP-Examen.
Die folgenden Grafiken verdeutlichen noch einmal die Studienwege bis zur Berufstätigkeit als Wirtschaftsprüfer. Wer sich für ein nach §8a oder §13b der WPO anerkanntes Master-Studium entscheidet, der reduziert die Zahl der notwendigen Berufsjahre und spart im WP-Examen bis zu drei Klausuren.

Wer kein solches Master-Studium absolviert, verfolgt diese Route Richtung des Titels als Wirtschaftsprüfer:


